Warum viele Sturzmatten manchmal mehr Probleme schaffen, als sie lösen
In deutschen Pflegeheimen stürzen jedes Jahr mehr als die Hälfte aller Bewohner mindestens einmal – viele sogar mehrfach. Besonders nachts oder beim eigenständigen Aufstehen passieren die meisten Stürze direkt neben dem Bett.
Viele Einrichtungen legen deshalb dicke Sturzmatten aus. Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, birgt jedoch ein ernstes Problem: Viele ältere Menschen können den Fuß nicht mehr ausreichend anheben (eingeschränkte Dorsalflexion, auch Fußheberschwäche genannt). Eine 1–12 cm hohe Matte wird dann zur Stolperfalle – genau an der Stelle, an der sie eigentlich schützen soll.
Grundlagen zu Ursachen und Prävention finden Sie auch in unserem Beitrag zur Sicherheit in der Pflege, der einen Überblick über typische Risiken und Schutzmaßnahmen im Pflegealltag gibt.
Typische Alltagssituationen in Pflegeeinrichtungen
Pflegekräfte und Angehörige beobachten immer wieder ähnliche Situationen:
Eine Bewohnerin steht nachts auf, bleibt mit dem Fuß an der Matte hängen und kippt nach vorne.
Ein Bewohner mit Parkinson oder ausgeprägter Muskelschwäche verliert beim Aufstehen über der Matte das Gleichgewicht.
Nach dem Sturz heißt es oft: „Aber er ist doch auf die Matte gefallen …“
Das zeigt ein häufiges Problem: Die Schutzmaßnahme selbst kann zur neuen Gefahr werden.
Was die Biomechanik zeigt
Ein realistischer Seitwärts-Sturztest hat gezeigt:
Ohne Dämpfung wirken auf die Hüfte Kräfte von bis zu 8,2 kN – etwa doppelt so viel wie die durchschnittliche Bruchgrenze einer älteren Hüfte (ca. 4,1–4,2 kN).
Eine hochwertige, sehr flache Sturzmatte kann diese Kraft um etwa 45–46 % auf rund 4,5 kN reduzieren.
In Kombination mit einem geeigneten Hüftprotektor sinkt die Belastung weiter auf etwa 3,7 kN.
Diese Werte zeigen, wie entscheidend eine wirksame Dämpfung für die Sturzprävention sein kann. Hintergründe zu diesen physikalischen Zusammenhängen finden Sie auch im Artikel zur Biomechanik der Sturzprävention.
Wichtig ist dabei: Eine flache Bauweise erfüllt gleichzeitig die Anforderungen der DIN 18040-2 für barrierefreies Bauen und reduziert zusätzliche Stolperrisiken.
Was das für die Praxis bedeutet
Eine gute Sturzmatte muss drei Dinge gleichzeitig leisten:
Ausreichend Energie bei einem Sturz aufnehmen
Keine zusätzliche Stolpergefahr darstellen
Begeh- und befahrbar bleiben
Viele dicke Matten erfüllen nur den ersten Punkt – und selbst das nicht immer zuverlässig.
Ein Beispiel für einen Ansatz mit hoher Dämpfung und gleichzeitig flacher Bauweise sind die Sleeping Nurse Pro™ Sturzmatten.
Die Matte ist lediglich 7–12 mm hoch und läuft rundum sanft auf unter 2 mm aus. Dadurch können auch Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit – beispielsweise bei Fußheberschwäche oder Peroneusparese – sicher darüber gehen.
Je nach Einsatzbereich stehen unterschiedliche Varianten zur Verfügung:
Sleeping Nurse Pro Basic – 7 mm Sturzmatte – besonders flache Lösung für Pflegebetten mit minimalem Stolperrisiko.
Sleeping Nurse Pro Premium – 12 mm Sturzmatte – höhere Dämpfung bei weiterhin sehr flacher Bauweise.
Die biomechanischen Ergebnisse aus den Messungen des Labors für Biomechanik unterstützen diesen Ansatz. Die vollständigen Testergebnisse können Sie hier einsehen:
Biomechanische Testergebnisse (PDF)
Zusätzlich ist die Farbe des Oberbelags wählbar. Dadurch lassen sich starke Farbkontraste vermeiden, die bei sehbeeinträchtigten Personen Unsicherheit oder Verwirrung auslösen können.
Zahlen, die nachdenklich machen
In deutschen Pflegeheimen stürzt nach wie vor mehr als jeder zweite Bewohner mindestens einmal im Jahr. Rund 20 % erleben sogar drei oder mehr Stürze pro Jahr.
Bis zu 5 % der Stürze enden mit einer Fraktur (häufig Hüft- oder Oberschenkelhalsbruch), und bis zu 20 % müssen medizinisch weiter abgeklärt werden.
Allein in Deutschland werden jährlich mehr als 25.000 Heimbewohner stationär wegen hüftnaher Frakturen nach einem Sturz behandelt – hinzu kommen ähnlich viele Knochenbrüche an anderen Körperstellen.
Diese Zahlen zeigen: Stürze sind kein seltenes Einzelschicksal, sondern ein strukturelles Risiko in der stationären Pflege. Durchdachte Prävention, die Mobilität fördert statt einschränkt, kann hier einen realen Unterschied machen.
Fazit
Nicht jede Sturzmatte erhöht automatisch die Sicherheit – vor allem dann nicht, wenn sie selbst zur Stolperfalle wird.
Wer in Sturzprävention investiert, sollte besonders auf diese Kombination achten:
Nachweislich gute Kraftreduktion (ideal biomechanisch getestet)
Sehr flache, barrierefreie Bauweise gemäß DIN 18040-2
Langfristige Materialqualität und Praxiserfahrung
Nur so entsteht eine Lösung, die schützt, ohne neue Risiken zu schaffen.
Wenn Sie Fragen zu konkreten Einsatzsituationen haben oder Unterschiede zwischen verschiedenen Matten kennenlernen möchten, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.
Quellen
Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung Bayern (ZPG Bayern) – https://www.zpg-bayern.de/sturzpraevention.html
Deutsches Ärzteblatt – Sturzprävention bei Senioren
FH Aachen – Labor Biomechanik – biomechanischer Seitwärts-Sturztest
DIN 18040-2 – Barrierefreies Bauen
DNQP – Expertenstandard Sturzprophylaxe – Expertenstandard Sturzprophylaxe
Einordnung & weiterführende Themen
Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenbereichs Sicherheit in der Pflege . Dort beleuchten wir Sturzprävention nicht als Einzelmaßnahme, sondern als Zusammenspiel aus Wahrnehmung, Bewegung, Umfeld und geeigneten Hilfsmitteln.
Eine grundlegende Einordnung dazu, wie Stolpern entsteht, warum Menschen straucheln und welche Faktoren letztlich zu Stürzen führen, finden Sie in unserer Cornerstone-Seite:
Vom Stolpern, Straucheln und Stürzen – und was man dagegen unternehmen kann
Dort ordnen wir biomechanische Erkenntnisse, Pflegepraxis und Präventionsansätze in einen größeren Zusammenhang ein und zeigen, warum Sturzprävention immer vor dem Hilfsmittel beginnt.
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